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Am Ende des Tages

STRESSTEST FÜR ALLE

Sie werden davon gehört haben: Die Banken müssen sich so genannten Stresstests unterziehen, so hat es die EU verordnet. Die Ergebnisse sollen Anfang August veröffentlicht werden und zeigen, wer wie belastbar ist und die nächste Krise ohne umzukippen überstehen könnte. Na und, werden Sie sagen, wenn Sie nicht zufällig Bankvorstand sind, was geht mich das an? Ganz einfach: Die Idee ist so gut, dass schon bald weitere Stresstests folgen dürften. Worauf Sie sich einstellen müssen, zeigt diese vorläufige Liste:

Stresstests bei der Bahn: Topmanager der Bahn fahren bei hochsommerlichen Temperaturen mit einem ihrer ICEs. Wenn sie (die Manager) nicht umkippen, darf der Zug weiter fahren.

Stresstests für Ölkonzerne: Tiefseebohrungen werden vorher in einem Planschbecken durchgespielt. Schafft es der Betreiber bei einem simulierten Störfall rechtzeitig, das gelbe Quietsche-Entchen vor dem ausströmenden Sonnenblumenöl (500 ml) zu retten, gibt es die Bohrgenehmigung.

Stresstests für Immobilien: Die gibt es tatsächlich schon, der bislang letzte lief am 15. Juli unter dem Decknamen Olivia. Für alle Häuser, bei denen nach Unwettern plötzlich das Dach fehlt, plant die Bundesregierung jetzt angeblich einen milliardenschweren Rettungsschirm.

Stresstests für Politiker: Der Hessen-Koch machte den brutalstmöglichen Anfang, dann schmiss der Bundeshorst hin, jetzt Ole von Hamburg... Nach der peinlichen Rücktrittsserie amtsmüder Politprofis macht sich die CDU stark für ein Regieren auf Probe. Findet ein Kandidat innerhalb der vierwöchigen Probezeit den Job zu stressig, braucht er das Amt gar nicht erst anzutreten.

Stresstests für alle: Bislang noch freiwillig, demnächst schon verbindlich? Im Internet können Sie Ihren persönlichen Stresstest machen, etwa beim Manager-Magazin oder beim Harvard Business Manager. Damit Sie bei diesem Test gut abschneiden, verraten wir Ihnen hier schon mal die offiziell richtigen Antworten (plus inoffizielle Erläuterungen):

a) Wie ist Ihr Schlafverhalten? Richtige Antwort: „Ich schlafe mehr als acht Stunden“ (soll heißen: Na klar bin ich als Manager länger als acht Stunden im Büro).
b) Wie gehen Sie mit Krisen um? Richtige Antwort: „Ich lasse mich nicht von meiner täglichen Arbeit abbringen“ (bedeutet: Ich ignoriere die Krise einfach).
c) Wie viel Zeit nehmen Sie sich für Ihre Familie? Richtige Antwort: „Ich kann Beruf und Familie gut voneinander abgrenzen“ (konkret: Für meine Liebsten habe ich jetzt schon den 24. Dezember fest im Kalender geblockt).
d) Leben Sie Ihr Leben? Richtige Antwort: „Ich habe ein erfülltes Leben“ (meint im Klartext: Das mache ich aber nicht mehr selbst, dafür habe ich meine Leute).
e) Wie groß ist Ihr Handlungsspielraum? Richtige Antwort: „Ich kann selbst entscheiden, was im Beruf sinnvoll und zweckmäßig ist.“ (gemeint ist: Mir meinen Bonus zu verdoppeln war sinnvoll, die Miniröcke meiner Sekretärin finde ich zweckmäßig).
So, genug getestet, sonst gibt’s am Ende des Tages noch Stress.

Mit freundlichen Grüßen zum Ende des Tages, Klaus Gourgé

Kommentare zu diesem Artikel
Lars O. schrieb:
In der Tat: den Stresstest haben sich die Banken selbst zuzuschreiben – ganz im Gegensatz zu den Bankkunden die unter gestressten Banken leiden. Der Begriff ist einfach en vogue: http://twitter.com/#search?q=stresstest
Hermann S. schrieb:
Wie kommt man unbeschadet durch den Stresstest? Humor bewahren! Je härter der Stress, desto schwärzer darf der Humor sein!
Bernd R. schrieb:
Den Stresstest haben sich die Banken selbst zuzuschreiben - trotzdem hoffe ich, dass sie ihn bestehen, sonst kommt vielleicht die nächste Finanzkrise.
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gourge
Prof. Dr. Klaus Gourgé lehrt Unternehmenskommunikation an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Geislingen. Er ist Geschäftsführer des IFU Instituts für Unternehmenskommunikation in Frankfurt und arbeitet als Kommunikationsberater, Journalist und Publizist. Zuletzt erschien von ihm das Buch „WerteWirtschaft. Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung als Basis für Kommunikation und Markenführung“.

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