Visual Techem Fachbeiträge zum Thema Energie

EnEV 2009: Beschlossene Sache

"Unser Land ist reformfähig"

tm: Sind die einzelnen Maßnahmen der EnEV-Novelle für die Wohnungswirtschaft überhaupt durchsetzbar?
Zu jeder Zeit wird man Gründe finden können, um nicht handeln zu müssen. Ich kann in meinem Umfeld mangelnde Investitionsbereitschaft nicht erkennen. Im Gegenteil; noch nie haben Kunden mit mir so oft und intensiv über Konzepte für energetische Sanierungen diskutiert wie im Moment. Es stellt sich aber sicherlich die Frage nach der Investitionsfähigkeit.

tm: Und wie steht es darum?
Immobilieneigentümer überlegen genau, wofür und wie sie investieren wollen, und nutzen vorab verstärkt das vielfältige Beratungsangebot, bevor sie Ausgaben tätigen.

tm: Wird bei den Nachrüstpflichten und Außerbetriebnahmen in Altbauten für die Vermieter das machbare Limit nicht überschritten?
Da fällt mir spontan das Zitat ein: „Neu ist das, was nicht gefällt!“ Aber Energieeinsparung funktioniert nun mal ausschließlich über die beiden Möglichkeiten, die mit „...ieren“ enden: investieren oder frieren! Mittelfristig führt das natürlich zu erhöhten Kosten für Selbstnutzer und Vermieter. Aber auch für die Mieter, die diese Investitionen über Mieterhöhungen (mit)finanzieren.

tm: Die Regelungen zum Vollzug der EnEV werden straffer – bedeutet das auch mehr Aufwand für den Vermieter und Verwalter?
Sicherlich entsteht zusätzlicher Druck und Aufwand durch die neue EnEV. Aber straffere Regelungen bedeuten auch weniger Erklärungs- und Diskussionsstress! Die jüngste Entwicklung hat für mich deutlich gemacht: Unser Land ist reformfähig, unser Volk ist reformwillig. Es sind klare Ziele für den Klimaschutz definiert. Diese setzen wir nun nachhaltig um, weil sie richtig sind. Sollten wir das nicht als unsere Stärke begreifen?

tm: Inwieweit werden die Wohnungsunternehmen bei der Durchführung der EnEV von staatlicher Seite unterstützt?
Die KfW hat ihr Förderprogramm ja aktuell überarbeitet, so dass mehr Fördermöglichkeiten für Immobilieneigentümer zur Verfügung stehen. Hier sehe ich aber noch weitere Verbesserungsmöglichkeiten. Ein spezielles Problem sehe ich bei den Wohnungs­eigentümergemeinschaften in Deutschland. Die WEG-Novelle 2007 hat uns zwar die Kreditfähigkeit für diese Eigentümerverbände gebracht, aber immer noch scheitern Bemühungen um günstige Förderkredite an einer ungeregelten Frage nach entsprechenden Sicherheiten.

Thorsten Woldenga
THORSTEN WOLDENGA, geschäftsführender Gesellschafter der Engelhardt & Woldenga Immobilien GmbH Hannover und Seminarleiter im BFW