
7 Fragen an Dr. Volker Riebel, Vorstandsvorsitzender der GEWOBA, eines kommunalen Wohnungsunternehmens, das in Bremen und Bremerhaven über rund 40.000 eigene Wohnungen verfügt und gut 13.800 Wohnungen für Dritte verwaltet.
1 Die GEWOBA gewann 2007 den „Bauherrenpreis Modernisierung“ – mit welchem Konzept?
Durch moderne Farbgestaltung, größere Grundrisse und Räume bis hin zu Maisonette- Wohnungen haben wir optisch ein Zeichen gesetzt. Wir wollten zeigen, wie man alte Bausubstanz aufnehmen und in moderne zeitgerechte Wohnungen verwandeln kann. Die Resonanz der Mieter ist ausgesprochen positiv.
2 Sie haben eine Zukunftskonferenz organisiert – mit welchem Ziel?
Rund 80 Prozent unserer Wohnungen befinden sich in Quartieren mit einem bunten Bevölkerungsmix. Um integrieren zu können, muss man mit den ansässigen Gruppen im ständigen Dialog stehen. Die Konferenz sollte klären, wie es in den nächsten 10 – 15 Jahren weitergeht – was fehlt, was ist gut, was sollte verändert werden? Ein modernes Wohnungsunternehmen darf sich nicht nur um die Hardware kümmern, es muss auch die passende Software liefern.
3 Welchen Stellenwert haben die Bereiche Sponsoring und Spenden?
Wir sponsern und fördern Projekte in unseren Quartieren, die unseren Mietern zugutekommen. Etwa den Breitensport, um Kindern und Jugendlichen Alternativen zu bieten. In einem sozial schwächeren Quartier in Bremerhaven unterstützen wir z.B. einen Boxring – hier können Jugendliche ihre Aggressionen ausleben und lernen, fair miteinander umzugehen, und sie begreifen, dass dies außerhalb des Klubs nicht stattfinden darf.
4 Welche Bedeutung hat für Sie die Energieeffizienz bei Bestandsgebäuden?
Wir investieren jährlich 70 Mio. in die Bestände, davon allein 30 Mio. für die Modernisierung. Hier liegt unser Investitionsschwerpunkt, weil wir davon überzeugt sind, dass es in Zukunft ein wichtiger Wettbewerbsvorteil sein wird. Wir haben ein eigenes Energieinformationssystem entwickelt, das uns einen Überblick über die energetische Ausgangssituation gibt. So passen wir unseren Bestand regelmäßig den energetischen Ansprüchen an.
5 Macht die Politik bei der energetischen Sanierung die richtigen Vorgaben?
Man sollte als Benchmark weniger die Leuchtturmprojekte, also das 3- oder 4-Liter Haus, hernehmen. Denn wenn man die CO₂-Belastung reduzieren will, ist es sinnvoller, nicht gleich auf 4 Liter herunterzugehen. Mit dem richtigen Maß zwischen ökologischer Notwendigkeit und wirtschaftlicher Möglichkeit können einfach mehr Maßnahmen durchgeführt werden und die Umwelt wird mehr entlastet.
6 Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit Energieausweisen gemacht?
Bei Wohnungswechseln und künftigen Mieternachfragen werden sie sicher eine wichtige Rolle spielen und zudem Leerstände in bestimmten Regionen vermeiden helfen. Doch bisher hat uns noch kein einziger Mieter nach einem Energieausweis gefragt, es scheint bei Mietern noch nicht angekommen zu sein. Wie positiv sie sich bei den Investitionen niederschlagen werden, das wird die Zukunft zeigen.
7 Welche Ziele verfolgt die GEWOBA in den nächsten 10 bis 15 Jahren?
Neben der energetischen Sanierung ist der demographische Wandel unser zentrales Thema. Wir arbeiten gerade an einem Konzept, das unsere älteren Mieter mit speziellen Dienstleistungen versorgt und ihnen ermöglicht, selbstbestimmt alt zu werden. Mit unseren Wohnungen in verdichteten Quartieren haben wir gute Voraussetzungen, Betreutes Wohnen zu organisieren. Die ungeliebten Hochhäuser werden durch das Thema Demographie im Übrigen künftig eine Renaissance erfahren. Das sind Bestände, die sich in besonderem Maße eignen. Anders als die ehemals attraktiven drei-, vier-, fünfgeschossigen Häuser ohne Aufzug. Die Politik sollte daher neben der energetischen Sanierung auch Aufzugsprogramme fördern – diese Bestände umzurüsten wird eine große Herausforderung für die Branche. Und legen deshalb Obergrenzen für die Heizkostenerstattung fest. Zudem deckt der im Regelsatz enthaltene Haushaltsenergieanteil für Strom und Warmwasser in Höhe von 21,75 Euro keinesfalls die tatsächlichen Kosten. Schon im Jahr 2006 berechnete das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg ein Defizit von 150 Euro jährlich. Zwei Urteile des Sozialgerichts Frankfurt und des Sächsischen Landessozialgerichts von Dezember 2006 und März 2007 bestätigten, dass das Existenzminimum des Einzelnen unterschritten wird, wenn die Stromkosten aus dem Regelsatz von derzeit 351 Euro zu 100 Prozent selbst bestritten werden müssen. Doch nicht nur die rund sieben Millionen Empfänger von Hartz IV haben Schwierigkeiten, die steigenden Energiekosten aufzufangen. Auch und gerade die Geringverdiener mit einem Nettoeinkommen von unter 900 Euro monatlich sind von der überproportionalen Belastung betroffen. Laut dem letzten Armutsbericht der Bundesregierung sind das insgesamt rund 13 Prozent aller Haushalte. Da in dieser Einkommensgruppe mit 83 Prozent das Wohnen zur Miete dominiert, wirkt sich die Erhöhung der „zweiten Miete“ auch auf die Wohnungswirtschaft aus – vor allem auf Wohnungsunternehmen wie die Joseph-Stiftung in Bamberg.
