
MIT DER STEIGENDEN Mobilität geht auch eine steigende Umweltbelastung einher. So werden bei einem Flug von Berlin nach New York über 4000 Kilogramm Kohlendioxid pro Passagier ausgestoßen, wodurch der Treibhauseffekt beschleunigt wird. Die Urlaubsreise per Flugzeug, aber auch per Auto belastet also massiv die Umwelt. Das „CO₂ Offsetting“ bzw. der „CO₂-Ausgleich“ ist eine Methode, wie man trotz Flugreisen das Klima schützen kann: Durch den Kauf von sogenannten Umwelt-Zertifikaten, mit denen weltweit Klimaschutzprojekte unterstützt und so der CO₂-Ausstoß etwa bei Flugreisen ausgeglichen wird.Viele Fluggesellschaften tun es und auch Autovermieter sind auf den Zug aufgesprungen: Sie bieten freiwillige Klimaabgaben an und entlasten so das Klima und das Gewissen der Reisenden. Die Lufthansa etwa weist ihre Kunden auf die Möglichkeit hin, zu ihrer Buchung eine freiwillige Klimaschutzspende zu bezahlen. Und der Autovermieter „Enterprise“ beispielsweise offeriert pro Autovermietung eine Klimaabgabe von zusätzlich 1,25 Euro. Aber der Verbraucher kann auch unabhängig von einzelnen Firmen über Zertifikats-Händler seine eigene Umweltbilanz beeinflussen. Die hat es nämlich ganz schön in sich. Urlaub auf Mallorca? Auto mit Klimaanlage? Jeden Samstag durch die Waschanlage fahren? Je nach Lebensstil und Gewohnheiten produzieren wir etliche Tonnen des Klimakillers Kohlendioxid. In Deutschland liegt der Durchschnitt pro Kopf bei rund elf Tonnen im Jahr, was etwa 30 Kilogramm pro Tag entspricht.
EMISSIONSHANDEL
Das Prinzip des CO₂-Ausgleiches liegt nun darin, dass diese Menge an Schadstoffen oder zumindest ein Teil davon an anderer Stelle wieder eingespart wird. Grundlage für dieses Tausch-Modell ist der Handel mit Emissions- oder Umweltzertifikaten. Der Emissionshandel ist ein marktwirtschaftliches klimapolitisches Instrument mit dem Ziel, den Ausstoß klimaschädigender Gase zu möglichst geringen volkswirtschaftlichen Gesamtkosten zu reduzieren und geht zurück auf das Kyoto-Protokoll von 1997. Darin haben sich 38 Industriestaaten verpflichtet, bis 2012 den Ausstoß von sechs Treibhausgasen gegenüber 1990 um 5,2 Prozent zu reduzieren.
Eine Art dieses Handels spielt beim CO₂-Ausgleich nun eine zentrale Rolle für die Förderung vom Klimaschutzprojekten. Ein Beispiel: In Indien wird eine Windkraftanlage errichtet, um so ein Unternehmen mit Strom zu versorgen. Dafür wird auf die Versorgung mit Strom aus dem öffentlichen Netz verzichtet, der in einem Kohlekraftwerk erzeugt wird. Das wäre mit hohen CO₂-Emissionen verbunden, während der Strom aus Windkraft kein Kohlendioxid erzeugt. Der Unterschied kann nun für einen bestimmten Zeitraum in Tonnen ausgedrückt werden und diese Menge wird dem Anlagebetreiber in Form von Zertifikaten gutgeschrieben, die er dann frei verkaufen kann.
Damit wirklich Treibhausgase eingespart werden, müssen derartige Klimaschutzprojekte einem speziellen Projektierungsschema folgen und werden von unabhängigen Kontrollstellen wie speziellen Abteilungen der Vereinten Nationen oder auch durch den TÜV überwacht. Je nach Strenge der Kriterien werden unterschiedliche Zertifikats-Typen vergeben. Die Spannweite reicht dabei von nicht handelbaren „VER“-Zertifikaten (Verified Emission Reduction) von kleinen Projekten, die nicht bei der UNO registriert sind, bis hin zum „Gold Standard“, der Kriterien wie Nachhaltigkeit, minimale Umweltbeeinflussung oder positive Auswirkung auf den lokalen Arbeitsmarkt aufweisen muss. Mit der Stilllegung eines Zertifikates wird garantiert, dass die entsprechende CO₂-Menge eingespart wurde.